Neues vom Projekt Pachamama

Die ersten sechs Wochen des Projekts Pachamama sind vorüber – Zeit Bilanz zu ziehen und ein bisschen zu berichten, was in dieser Zeit passiert ist:

Werbung und Kundenbindung

Zuerst wurde das dringendste Problem angegangen: Die fehlenden Kunden. Der Bauernhof produziert hervorragendes Biogemüse, doch der Markt dafür ist in Ecuador noch sehr klein, und auch wenn er stetig wächst, ist bio noch eine Nische.

Der Verkauf im Hofladen ist relativ gering, was hauptsächlich an der Lage weit im Norden Quitos, in einer sehr armen Gegend, liegt. Die Anwohner können bzw. wollen nicht mehr für Biogemüse bezahlen und auf dem Markt, auf dem samstags verkauft wird, sind die Preise neben konventionellem Gemüse auch kaum wettbewerbsfähig. Die potentiellen Kunden gehören somit eher der Mittel- bis Oberschicht an, die Wert auf biologisch angebaute Lebensmittel legen und bereit sind, dafür etwas mehr zu bezahlen, besonders wenn sie dabei noch ein soziales Projekt unterstützen.

Das frisch geerntete Gemüse, fertig für die Auslieferung.

Deswegen verkauft die Pachamama schon seit Jahren über das Konzept Biokiste: Kunden bekommen jede Woche per Mail eine Liste mit den verfügbaren Produkten und Vorschlägen für eine kleine oder große Biokiste. Diese können sie bestellen und dabei auch individuell an ihre Wünsche anpassen. Wer also keinen Kohl mag, bestellt stattdessen Salat, wer lieber mehr Tomaten und dafür keine Radieschen hätte, gibt das an. Ein bis zweimal die Woche fahren Lupe und ich die Biokisten mit einem Fahrer in ganz Quito aus.

Um potentielle Kunden anzusprechen, wurde eine Werbemail in einem bekannten deutschsprachigen Mailverteiler geschickt. Darüber wurden Kunden aus der deutschen und schweizerischen Botschaft, der deutschen Schule, sowie weitere in Ecuador lebende Deutsche, Österreicher und Schweizer gewonnen. Ein Post in der sehr aktiven Facebookgruppe „Expats in Quito, Ecuador” mit über fünfeinhalb tausend Mitgliedern, hatte 28 Kommentare und führte zu über 20 Nachrichten von Interessierten. Auch darüber wurden ein paar neue Kunden, zum Beispiel von UN-Organisationen gewonnen.

Die nächsten Schritte sind nun, diese Kunden auch zu halten, das Bestellsystem zu verbessern und weiter Werbung, nicht nur digital, sondern auch über Printmedien zu machen. Zur Verbesserung des Bekanntheitsgrads hat sicher auch beigetragen, die Facebookseite wiederzubeleben und regelmäßig zu posten sowie zusätzlich einen Instagramaccount zu erstellen, denn es sind auch über diese Medien schon ein paar Leute auf den Hof aufmerksam geworden.

Reparaturen und Instandhaltung

Das kaputte Gewächshaus.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Reparatur des Gewächshauses und die Instandhaltung der Bewässerungsanlage. Nach dem Einholen einiger Kostenvoranschläge für das Gewächshaus wurde ein Angebot konkretisiert und bei einem Treff mit den dem zuständigen Ingenieur alle Details besprochen. Inzwischen hätten die Arbeiter längst da sein sollen und angefangen haben, aber ganz nach lateinamerikanischer Art ist eben was dazwischengekommen, und aus den versprochenen eineinhalb Wochen bis Arbeitsbeginn sind nun fünf geworden. Da hilft nur Geduld und hartnäckig nachfragen und inzwischen gibt es eine erneute Zusage für kommende Woche. „A ver…“, auf Deutsch mal sehen, kann ich da nur sagen.

Besser gelaufen ist es mit dem Bewässerungssystem, das dringend Instandhaltung benötigt hat. Der erste Teil der Arbeit ist bereits getan, der zweite wird hoffentlich ebenfalls diese Woche umgesetzt.

Eine der Frauen beim Giessen der gepflanzten Samen.

Investitionen

Da es auch an Saatgut gefehlt hat, waren wir beim Großhändler Samen kaufen und haben zusätzlich einige Arten, die es hier schwer zu bekommen sind, aus Italien von Freunden mitbringen lassen. Da das Projekt ja ursprünglich von italienischen Schwestern gegründet wurde, sind diese Samen schon bekannt. Ein paar außergewöhnlichere Sorten wurden auch noch bestellt, um das Gemüsesortiment von anderen Anbietern abzuheben.

Da sich neben Gemüse auch Hühnerfleisch sehr gut verkauft, wurde auch noch in neue Hühner und deren Futter investierst, die auf dem Hof in besten Umständen leben.

Zudem wurde in Gerätschaften und Verpackungsmaterial investiert.

Eigene Produkte

Die selbstgemachte Pasta beim Trocknen.

Neben Obst und Gemüse, Hühnerfleisch, Eiern (von der Nachbarin) und Meerschweinchen (ja, zum Essen, nicht als Haustier) verkauft die Pachamama auch eigenen Produkte. Dazu gehören Marmelade und selbstgemachte Pasta. So haben wir also schon Erdbeer- und Physalismarmelade und Spinatpasta gemacht – weitere Sorten sind in Planung.

Um den Köchinnen des angrenzenden Kindergartens zu zeigen, was sie aus Rhababaer, der hier wenig bekannt ist, machen können, habe ich mit ihnen und den Frauen zusammen einen Rhabarberkuchen und einen Crumble gebacken, die gut angekommen sind und es hoffentlich bald auch auf die Teller der Kinder schaffen.

Die Salatverkostung.

Veranstaltungen

Milton, ein Student der Universidad Central in Quito hat seine Diplomarbeit über den Salatanbau in einem Hydroponik System geschrieben. Die Anlage für seine Versuche hat er in der Pachamama installiert, und so gab es zum Ender des Projekts auch eine Verkostung der verschiedenen Salate mit Fragebogen zur Bewertung von Geschmack, Aussehen, Geruch und Konsistenz des Salates, die Milton für seine Arbeit auswertet. Zu diesem Anlass waren auch Freunde von ihm aus der Uni da, von denen ebenfalls ein paar zu Kunden der Pachamama geworden sind. In Zukunft wollen wir das System auch selbst für den Salatanbau nutzen.

Außerdem kam uns im Rahmen eines Programms für nordamerikanische Studenten eine Gruppe Studenten besuchen. Sie haben den Vormittag auf dem Hof mitgeholfen den Meerschweinchenstall sauberzumachen und zu düngen. Zum Mittagessen wurden sie dafür mit den selbstgemachten Nudeln, Gemüse vom Hof und Meerschweinchenbraten belohnt.

Pläne:

Soviel zu den bisherigen Entwicklungen, aber natürlich gibt es auch viele Pläne für die kommende Zeit:

Zwei Frauen beim Vorbereiten der Biokisten.

Im März wird die Pachamama 18 Jahre alt und diesen Anlass wollen wir für einen Tag der offenen Tür nutzen, bei dem Kunden den Hof kennenlernen, Kontakte knüpfen, die Produkte kennenlernen und natürlich essen können. Dafür sind wir schon fleißig in der Planung und Vorbereitung. Außerdem wird es eine „Charla“ also eine Art Mini-Podiumsdiskussion mit Andrea Zorzi vom Rhea International Team zum Thema Aguaponik in der Biolandwirtschaft geben.

Außerdem wollen wir in Zukunft den Verpackungsmüll, der durch die Lieferung des Gemüses –derzeit in Plastiktüten – entsteht, verringern und Stofftüten mit dem Pachamama Logo anfertigen lassen und an die Kunden verkaufen oder gegen Pfand verleihen, so dass wir darin das Gemüse liefern können.

Ebenfalls in Planung ist eine kleine Betriebsfeier mit Kakao und Kuchen am Tag der Frau am 8. März, sowie ein Workshop zum Thema Empowerment für die Frauen.

Und natürlich gibt es noch viele weitere Pläne wie den Meerschweinschenstall zu erneuern, den Eingang zu streichen bzw. zu bemalen, die
Möglichkeiten für Aguaponik genauer ins Auge zu fassen und eventuell eine Webseite zu erstellen.

Doch dazu beim nächstem Mal!

Jetzt erstmal viele liebe Grüße aus Quito,

Lena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.